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LUFT

»Ist der Autopilot defekt? Der Sicherheitsdienst hält uns jetzt an…«, fragte Nevon die beiden jungen Frauen, die mit ihm im Fahrzeug unterwegs waren.

   Zwei Autos mit blauem Licht reihten sich auf der Autobahn vor und nach dem Fahrzeug an, das nun von selbst langsamer geworden ist. Nach der ersten Ausfahrt in eine Lichtung gab es eine Raststätte. Bislang haben sie bereits Hunderte von Kilometern Wald durchfahren, nur das haben sie lange Zeit rechts und links der Autobahn gesehen. In regelmäßigen Abständen gab es einen solchen vollautomatischen Rastplatz, der meist leer war und bis ins letzte Detail gleich gebaut wurde. Diese Raststätte war etwas höher auf einem Hügel weit über dem Wald gelegen. Man konnte nun am Horizont sehen, dass es nur Bäume in alle Richtungen gab. Nevon, seine Freundinnen Dowagen und Nuna stiegen aus dem Auto und ein wenig eingeschüchtert reihten sie sich mit dem Rücken zum stehenden Fahrzeug auf.

   »Fahrgäste, wissen Sie warum Sie angehalten werden?«, fragte einer der vier Beamten die verängstigten Passagiere.

   »Nein, wir wissen es nicht. Das Auto fährt seit drei Tagen autonom mit der gleichen Geschwindigkeit, und wir haben die Standardeinstellungen des Fahrzeugs nicht geändert«, antwortete Nevon stellvertretend für sie alle.

   »Das ist nicht der Grund. Wohin reisen Sie?«, fragte ein anderer der Offiziere ernsthaft. Die Uniformen waren dunkelblau wie die der Polizisten, aber sie trugen alle keine Mütze und sie waren auch nicht bewaffnet. Doch das machte die Atmosphäre nicht weniger bedrohlich.

   Mit schwacher Stimme versuchte Dowagen zu erklären:

   »Mein Freund Nevon lag lange Zeit im Krankenhaus und jetzt wollen wir seinen Verwandten im Norden besuchen. Er lag monatelang im Bett und jetzt würde ihm eine kleine Ablenkung gut tun.«

   »Das ist richtig, Steel Nevon war drei Monate im Krankenhaus«, las ein Sicherheitsmann auf einem tabletähnlichen Gerät. Hier steht auch, dass er an Amnesie leidet. Unsere nächste Anweisung ist es nun, Ihnen die Rechte und Pflichten zu erklären, also sagen Sie uns bitte einfach nur die Wahrheit oder schweigen Sie. Der Prozess kann jetzt beginnen«, und er diktierte Datum und Uhrzeit in das Gerät aus seinen Händen, danach waren alle vier Beamten für einige Sekunden still. Anschließend fuhr der Offizier mit der gleichen Stimmlage fort:

   »Wie ich hier lese kann, weil Nevon krank ist, erhalten Sie eine achtzig Prozent Strafmilderung. Die Kameras die wir an unserem Körper tragen, zeichnen alles auf und alles was Sie sagen wird automatisch analysiert. Das Urteil wird nach Abschluss der Anhörung gefällt. Haben Sie noch weitere Fragen?«, fragte der etwas zu kleine Mann.

   »Urteil? Was haben wir überhaupt getan?«, fragt Nevon irritiert.

   »Bitte Nevon, nur Fragen beantworten«, sagte Dowagen und nahm ihn an die Hand.

   »Sie fahren ein Fahrzeug das als gestohlen gemeldet wurde. Sie sind außerdem viertausend Kilometer von der letzten Stelle entfernt, an der der Besitzer sein Auto abgestellt hat.«

   »Warum gestohlen? Das ist ein Auto aus meiner Garage«, antwortet Nevon empört.

   »Deshalb die achtzig Prozent Reduzierung der Strafe, weil Sie sich offensichtlich nicht an Ihr früheres Leben erinnern. Aber warum war das Auto in Ihrer Garage? Das Auto gehört einem Obdachlosen namens Bratan. Er lebt schon lange im Auto weil er eine Identitätsstrafe hat. Und es macht keinen Sinn, mit dem Auto zum Nordpol zu fahren und dazu in ein gestohlenes Fahrzeug. Das ist immerhin hunderttausend Kilometer entfernt. Sie sagten, dass eine kleine Veränderung ihm gut tun würde, Sie meinen, einen Monat lang in einem kleinen Auto zu fahren? Warum nicht wie alle anderen auch die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen? Bitte beantworten Sie wahrheitsgemäß, sonst wird die Strafe automatisch verlängert.«

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