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LAVAROT

Das war einer dieser herbstlichen Abende in der Großstadt, wenn die Sonne gerade noch am Horizont steht, aber entkräftet scheint, leuchtend aber ohne Wärme. Auf den Straßen und im Gebäudeschatten dringt die frische kühle Brise so stark ein, dass die wenigen Sonnenstrahlen auf der Haut sogar brennend heiß erschienen. Nevon und seine Kollegen verließen das Bürogebäude und verabschiedeten sich voneinander, müde aber freundlich.

   »Das war heute wieder ein Tag, wir sehen uns morgen!«, danach machte sich Nevon gleich auf den Heimweg, ohne nachzudenken, einfach einen harten Tag hinter sich zu lassen.

   Für jemanden der im Ghetto aufgewachsen ist, er hat viel erreicht. Beide Welten sind brutal auf ihre eigene Weise, das Ghetto wie wir es aus den Filmen kennen ist sogar harmlos beschrieben vergleichbar mit dem was er selbst erlebt hat, und seinen Job bei der Bank wo er sich Tag für Tag beweisen muss, das ist die andere Seite. Nevon beschwert sich nicht, er weiß, dass das Schicksal oder was es ist gut mit ihm gemeint hat und ihm ein Aussehen geschenkt hat, dass das Arbeiten zwischen überwiegend weißen Menschen erleichtert. Er sieht einfach sympathisch und umgänglich aus, auch dann wenn er mies drauf ist. Glücklicherweise muss er sich nicht verstellen, er ist normalerweise gut gelaunt und ist dankbar für das was er hat. Wenn er darüber nachdenkt, er fühlt sich zwischen Weißen wohl, alles klappt so gut mit seinem Kollegen dass er keine Grenze mehr zwischen den beiden Welten in denen er lebt wahrnimmt. Nevon stellte fest:

   »Ich muss noch etwas besorgen und heute kein Ausgehen, der Tag war viel zu anstrengend dafür.«

   Währenddessen schaute er sich um und suchte nach einem Supermarkt. Er fühlte nur noch Müdigkeit, für einen Moment blendete er unbewusst alles um sich herum aus. Er drehte und drehte sich mehrmals um seine eigene Achse, während er sich in der dicht bebauten Innenstadt umsah, müde und irgendwie verzweifelt bis er auf den Fahrradweg gelangte, aber das bemerkte er nicht. Ein Radfahrer der vorbeifuhr und den zerstreuten Nevon ein paar Meter zuvor bemerkte, begann wild zu klingeln, was ihn offensichtlich von seinem Gedanken zurückgebracht hatte. Er konnte noch haarscharf ausweichen, das brachte aber sein Gleichgewicht durcheinander und er rutschte vom Bordstein auf die stark befahrene Straße herunter.

   Sobald er auf der Straße angekommen war, traf ein massiver SUV den Unglücklichen und während das schwere Fahrzeug noch bremste, prallte Nevon mit seiner Brust auf die Motorhaube. Man konnte sehen wie seine Knochen wegen der Aufprallwucht aufgaben, und er sich wie ein Schal auf den eckigen Karosserie bog. Meterweit flog danach Nevon bis er auf der harten Straße weiter rutschte. Einige Menschen die das beobachtet haben schrien kurz, oder mit einem verängstigten Gesicht fragten sich laut:

   »Ist er noch am Leben? Unmöglich dass er diesen Aufprall überlebt hat.«

   Noch immer bei Bewusstsein, blutüberströmt und völlig gebrochen schaute Nevon den Bordstein vor sich an, ohne seinen Kopf und seine Augen bewegen zu können. Nur seine Augen hörten nicht auf, ansonsten selbst das Denken war in ihm erstarrt. Es dauerte nur einen Moment und er spürte seinen Körper nicht mehr, und nach und nach wurde alles um ihn herum dunkel und still. Er konnte nichts mehr sehen hören oder fühlen, aber seine Gedanken hörten irgendwie nicht auf, als er nicht wirklich bewusstlos oder gar tot wäre. Er war noch bei Bewusstsein. 

Red Giant Star. Kapitel (1)

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